Kommentar: Der klassische Roller gehört verboten

Kommentar: Der klassische Roller gehört verboten

Der Verkauf von Zweitaktern zieht Kunden das Geld aus der Tasche, sorgt für schlechte Luft und Lärm in den Städten. Schluss damit!

Quelle: Joe McKendry
Peter Vollmer

Peter Vollmer schreibt über Energie und Umweltschutz und kümmert sich um den Online-Auftritt von edison.media.

Verbote sind furchtbar, keine Frage. Denn wer verbieten muss, hat meist keine überzeugenden Argumente. Im Falle des Elektrorollers ist das aber anders: Es gibt keinen Grund mehr für die Herstellung von Rollern mit Verbrennern, außer alter Gewohnheit.

Zunächst: Gerade bei kleinen Maschinen bis 50 km/h, die mit fast jedem Führerschein gefahren werden dürfen, werden immer noch Zweitakter ohne Katalysator verkauft. Das Benzin-Öl-Gemisch sorgt für mehr Abgase, als manches Auto ausstößt, etwa Feinstaub und Benzol. Verbrauchen ja auch gerne mal drei, vier Liter, die kleinen Brummer.

Anders als Dieselkombis mit Schummelsoftware fahren Roller aber nur durch städtisches Gebiet, höchstens mal über eine Landstraße. Und die Abgase sind nicht die einzigen Emissionen, die innerorts nerven, denn die alten Roller sind immer noch: laut. Was wir in Italien romantisch finden mögen, ist in der Kölner Innenstadt, im Münchner Vorort oder entlang der Landstraße Gladbeck morgens um sechs nur noch nervig.

Bessere Luft, weniger Lärm, mehr Fahrspaß

Elektroroller sind deutlich sauberer und leiser. Und haben den großen Vorteil, dass sie an keiner Ladesäule geladen werden müssen. Viele Modelle passen in den Hausflur, lassen sich per Kabel durchs Fenster laden oder haben einen austauschbaren Akku.

Damit einher geht der zweite große Vorteil: Sie lassen sich daheim mit Ökostrom laden. (Unter uns: Wer im Jahre 2017 zuhause noch keinen grünen Strom bezieht, wird im nächsten Leben ohnehin als Pelikan in den Ölteppichen des Golfs von Mexiko wiedergeboren.)

Und es gibt noch einen dritten Vorteil, den E-Roller gegenüber E-Autos haben: Sie sind billiger als Verbrenner. Der deutsche Vorzeige-E-Roller Unu kostet selbst in bester Ausstattung keinen Cent mehr als eine Einstiegs-Vespa.

Strom ist günstiger als Benzin

Und im laufenden Betrieb sind die Scooter deutlich günstiger, je nach Fahrprofil bleibt man bei den Kosten unter 100 Euro im Jahr – inklusive Steuern und Vollkasko. Beim Treibstoffverbrauch eines Zweitakters ist das Geld schon nach 50 Kilometern aufgebraucht. Wer es noch billiger will, kauft sich einen chinesischen Import-E-Roller und kommt von Anfang an günstiger weg.

Sauberer, leiser, billiger, praktischer – warum gibt es in Deutschland also immer noch rund 850.000 klassische Roller im Segment bis zu 125 ccm Hubraum? Im Vergleich zu mageren 15.000 E-Rollern?

Die Grünen hatten schon 2010 vorgeschlagen, ab 2015 nur noch E-Roller zuzulassen und 2020 Zweitakter einzuziehen. Doppelt ungeschickt: Die politische Konkurrenz ritt genüsslich auf dem schlechten Image der Verbotspartei herum, das Thema war zudem verbrannt. Trotzdem gaben sogar FDP-Verkehrspolitiker zu Protokoll: Eigentlich müsse sich der E-Roller durchsetzen. Das hat er bis heute nicht. Auch, weil besagte Politiker untätig geblieben sind.

Halbwegs strenge Abgasgrenzen im Rahmen der Euro-Normen werden nach und nach erst seit 2016 eingeführt. Für ausgewählte Emissionen, CO2 beispielsweise ist ausgenommen. Warum eigentlich? Gerade Rollerfahren dürften an zunehmenden Wetterkapriolen, die der Klimawandel mit sich bringt, kein Interesse haben.

Einstieg in die Mobilität muss auch elektrisch sein

Der Roller ist bequem, für viele junge Menschen der Einstieg in die motorisierte Mobilität und bei gutem Wetter bequem, praktisch und macht Spaß – keine Frage. Gerade für diese Zielgruppe ist die Marke wichtig, vielleicht auch der Sound, ein E-Antrieb ist noch etwas ganz Fremdes und manche Eltern, die den ersten Roller kaufen, trauen sich nicht an Experimente. Sorry, das ist spießig - und nach der ersten Testfahrt auch egal, zu eindrucksvoll ist die flüsterleise Beschleunigung.

Manch Roller-Purist würde eher in den motorisierten Wiederstand gehen als auf die liebgewonnene Lambretta zu verzichten. Auch ok: einfach die Steuer erhöhen, dafür ist sie schließlich da. Ein Aus-dem-Verkehr-ziehen ist dann gar nicht nötig, das eingesammelte Geld reicht.

Denn wenn neben dem ersten Schritt – den Neuverkauf zu verbieten – auch ein Anreiz für den Umstieg kommt, dann dürften viele Rollerkäufer eben doch ins Grübeln kommen. Warum nicht eine Umstiegsprämie für alle? Denn wenn der Staat im Gegenzug 10 Prozent des Kaufpreises bis 2500 Euro dazugibt, dann kostet das magere 250 Euro, insgesamt vielleicht ein paar Millionen Euro – aber viel günstiger lässt sich die Luft in den Städten nicht sauberer machen.

Bei solchen Preisen muss keiner zum gebrauchten Zweitakter greifen. Zudem schafft man so Neugier auf den neuen Antrieb und am Ende profitieren auch Importeure, Händler und Zulieferer wie Bosch, die auch für manchen China-Import den Antrieb liefern. Schrauber dürfen weiter schrauben, der Rest steigt auf den sauberen Antrieb um und spart sogar Geld. Wann hatte ein Verbot schon einmal so viele Gewinner? Eben.

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