Fünf Kritikpunkte an der E-Mobilität, die sich schon heute widerlegen lassen

Fünf Kritikpunkte an der E-Mobilität, die sich schon heute widerlegen lassen

Zu geringe Reichweiten, zu wenig Ladestationen, zu lange Ladezeiten: Verfolgt man die aktuelle Diskussion um Elektromobilität in Deutschland, könnte man fast meinen, die Technik stehe noch ganz am Anfang. Ein Einspruch.

Stefan Brehm

Stefan Brehm ist Vertriebs- und Marketing-Geschäftsführer bei der Gastrofix GmbH, einem Anbieter für cloudbasierte Kassensysteme. Der von ihm verantwortete Fuhrpark des Unternehmens besteht zu einem Drittel aus E- und Hybrid-Autos und soll in zwei Jahren ganz umgestellt sein.

1.    Umweltfreundlichkeit:

Ja, auch mit E-Autos ist motorisierter Individualverkehr nicht zu 100 Prozent sauber. Aber da Pkw auch in Zukunft für Unternehmen unverzichtbar sein werden, sollten zumindest so viele Fahrzeuge wie möglich elektrisch fahren. Denn dass es zu Elektromobilität als ganzheitlichem, nachhaltigerem Ansatz keine echte Alternative gibt, steht bei aller berechtigter Kritik doch wohl außer Frage. Insofern plädiere ich dringend dafür, die bereits bestehenden Möglichkeiten für eine Verkehrswende zügig auszubauen, statt ‒ typisch deutsch ‒ die Probleme in den Mittelpunkt zu stellen.

2.    Ladestationen:

Gerade in den ‒ zumindest für unsere Vertriebler ‒ wichtigsten Regionen, nämlich den Großstädten, ist das Netz an Ladesäulen doch jetzt schon ganz passabel. Wir hatten bisher noch keinen einzigen Fall, in dem ein Kollege einen Kundentermin wegen zu langer Warte- oder Suchzeiten verpasst hat.

3.    Reichweite:

Es stimmt: In puncto Reichweite können batteriebetriebene Elektro-Modelle (noch) nicht mit Verbrennungsmotoren konkurrieren. Die Frage aber ist doch: Müssen sie das überhaupt? In Wahrheit benötigen bei Weitem nicht alle Nutzer wirklich ein Langstreckenfahrzeug, das mit einer Ladung 500 Kilometer laufen muss. Unsere Außendienstler zum Beispiel legen am Tag etwa 150 bis maximal 200 Kilometer zurück. Dafür reichen die bereits am Markt vorhandenen Modelle völlig aus.

4.    Verfügbarkeit:

Hier muss die Politik die Hersteller in der Tat mehr in die Pflicht nehmen: Wir und zahlreiche andere wechselwillige Unternehmen sind händeringend auf der Suche nach E-Modellen in der Mittelklasse. Das Problem: Der Markt hat kaum noch Verfügbarkeiten. So können Opel-Händler zum Beispiel erst frühestens Mitte 2018 neue E- oder Hybrid-Fahrzeuge liefern. Das ist ein Unding, denn die Nachfrage ist definitiv da. Wenn sich diese Rahmenbedingungen nicht schnell ändern, kommen die von der Bundesregierung geforderte Million Elektroautos bis 2020 niemals zusammen.

5.    Bürokratie:

Auch in diesem Punkt schließen wir uns der Kritik an: Die vielen Hemmschwellen bei der Umstellung auf E-Autos müssen schnellstmöglich abgebaut werden. Statt Umtauschprämien für neue Dieselmotoren zu zahlen, sollten lieber Batteriefabriken und Ladestationen gefördert werden. Norwegen und die Niederlande, wo wir ebenfalls aktiv sind, sind uns da schon um Jahre voraus.

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