Das Elektroauto, die Hupe und meine Schüler

Das Elektroauto, die Hupe und meine Schüler

Für meine Schüler ist das leise Auto zunächst ungewohnt - und weckt dann ihre Neugier.

Birgit Steffani

Birgit Steffani lebt und unterrichtet in Ilmenau und fährt einen Renault Zoe. Ihre Erfahrungen mit dem neuen Elektroauto schildert sie im eigenen Blog für Edison.

Wenn ich auf dem Weg zur Schule, auf einer schmalen Straße ohne Gehweg, hinter meinen müden Schülern herfahre, brauche ich manchmal die Hupe, damit sie überhaupt merken, dass da jemand vorbei möchte.

Meist ergreift dann ein etwas wacherer Mitschüler die Initiative und macht den schlurfenden Mitmenschen auf mich aufmerksam, der dann zögernd - ist das wirklich ein ernst zu nehmendes Fahrzeug - den Weg frei gibt.

Wenn die Kinder mich dann tagsüber auf dem Gang im Schulhaus sehen, sagen sie mir gerne immer wieder: "Machen sie nicht so einen Krach mit ihrem Auto" - "Der Lärm von ihrem Auto stört aber das Wohngebiet!" - "Sie dürfen nicht so ein lautes Auto fahren!!" Sie sind verwundert, wie leise so ein Elektroauto fährt.

Zudem meinen Schüler immer wieder, man brauche doch für so ein leises Auto keinen Führerschein. "Das scheint ganz einfach zu fahren zu sein", meinen sie dann und "darf ich den auch mal fahren?" Es scheint, dass sie es eher wie ein Spielauto einstufen.

Steuern leichter als Fahren

In der Tat ist das Fahren an sich einfach, aber den Führerschein bekommt man ja in erster Linie, um zu zeigen, dass man sich mit den komplexen Vorgängen des Straßenverkehrs auskennt und darin zurechtfindet. Die Beherrschung des Autos ist da zweitrangig.

Das Elektroauto macht den Kindern Lust, einmal mitzufahren "Nehmen sie mich auch mal mit?" Höre ich da häufig. Meine Kollegin möchte meinen Wagen in ihren Unterricht zum Thema erneuerbare Energien einbauen.

Besonders gefreut habe ich mich aber als im Sachkundeunterricht der 6. Klasse ein Schüler im Themenkomplex Wald auf seine Lernkarte auf die Frage: "Wie kann man Wälder schützen?"  antwortete: "Mehr Elektroautos fahren." Hier habe ich wirklich gemerkt, dass er sich aktiv mit meiner Wahl auseinandersetzt und den von mir gedachten Sinn verstehen und nachvollziehen kann.

Interessant, dass die älteren Kollegen dagegen eher abschätzig über Elektroautos und die Fahrkünste der Fahrerin urteilen. So meinte neulich ein Kollege: "Wer Elektroauto fährt, kommt mit einem Quad nicht klar." Und anschloss: "Wollen wir mal ein Wettrennen fahren?" Da hat er natürlich die Beschleunigung eines Elektroautos stark unterschätzt, denn an der Kreuzung lasse ich Benziner und Diesel entspannt hinter mir, wenn ich es darauf anlege.

Andere Kollegen erkundigen sich immer wieder nach der Reichweite und die ist, dank des sehr lichten Ladenetzes in Thüringen, tatsächlich noch das Hauptproblem für mich. Aber hier gilt: Versuch macht klug. Ich weiß jetzt, dass ich es nach Bad Berka, Bad Blankenburg und Erfurt schaffe und zurück, auch ohne Ladestation.

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